Der Architekt Hans Poelzig wurde in diesem Blog bereits besprochen. Von ihm stammt das Bankgebäude am Rathausplatz in Wolgast (1931-32). Heute soll ein Bau vorgestellt werden, der parallel von Hans Poelzig vollendet worden war. Es handelt sich um das Haus des Rundfunks (HdR) in der Charlottenburger Masurenallee 8-14 (1929-1932).
Der Ziegelsteinbau gilt als eines der ersten Rundfunkgebäude Europas und wird heute vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) genutzt. Hans Poelzig, seit 1923 Professor an der Technischen Hochschule, kannte für diese Aufgabe keine Vorbilder und stellte darum grundlegende Überlegungen an. Bahnbrechend sind die ins Innere verlegten und so vom Straßenlärm abgeschirmten Sendestudios sowie der Große Sendesaal mit seiner auch heute noch einzigartigen Akustik. Angeblich wurden die Wände des Saals aus dem Holz einer einzigen Ulme furniert. Adam Green, Shirley Bassey und Norah Jones haben hier aufgenommen.
Am 29. Mai 1929 erfolgte die Grundsteinlegung und fünf Millionen Reichsmark später, am 22. Januar 1932, die Eröffnung. „Das Schiff ist klar zur Fahrt – Kommandant geben sie Befehl zum Start!“ ruft Alfred Braun dem Rundfunk-Kommissar Dr. Hans Bredow zu. (Über die Hosen des Herrn Bredow ist übrigens nichts überliefert.)
„Anfang 1932 gibt es bereits mehr als vier Millionen registrierte Rundfunkteilnehmer. Allein im Sendegebiet der Berliner Funk-Stunde, das neben der Hauptstadt und der Provinz Brandenburg auch einen Teil Pommerns abdeckt, verfügt ein Viertel bis ein Drittel aller Haushalte über ein Radio. Obwohl Rundfunk für die meisten nicht gerade preiswert ist. Die monatliche Gebühr beträgt zwei Mark.“ (Quelle: Hier spricht Berlin. Das Haus des Rundfunks – ein Haus der Radiogeschichte, S. 3)
Nach der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten und dem Ende des Krieges bleibt der Berliner Rundfunk ein Objekt der Begierde für Propagandisten. Rotarmisten halten das Funkhaus mitten im britischen Sektor besetzt und senden bis 1952 sowjetfreundliche Propaganda ins Umland. Erst ab 1956 kann der Sender Freies Berlin (SFB) einziehen und demokratisches Radio machen. Ab 1958 wird von hier aus die Berliner Abendschau ausgestrahlt und ab 1967 die Radio-Kult-Sendung „s-f-beat“ übertragen. Das Haus des Rundfunks ist heute auch ein „Haus der Rundfunkteilnehmer“ und kann bei Führungen durch das Gebäude besichtigt werden. Auf diesem Wege sind auch meine Fotos zustande gekommen.
Der Architekt Hans Poelzig konnte aber auch anders. Wer seine Pläne für den Platz der Republik am heutigen Band des Bundes kennt, der kann sich nur freuen, dass nicht alles von ihm verwirklicht wurde. Große Betonblocks warten im Grünen wie drohende Zyklopen und zielen auf die Mitte. So stellten sich viele Architekten der Weimarer Republik die moderne Großstadt vor. Heute spricht man da eher von der Unwirtlichkeit unserer Städte. Futuristisches Nirgendwo wie am Potsdamer oder am Alexanderplatz. Da bin ich doch mit dem übrigen Werk von Poelzig ganz zufrieden.







NACHTRAG: Das dreiseitige Gebäude neben dem Reichstag im unteren Bild erinnert schon ein wenig an das Berlaymont-Gebäude der EU-Kommission in Brüssel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Berlaymont-Geb%C3%A4ude
Warst du in der Ausstellung Das ungebaute Berlin?
Ja, da war ich. Sehr sehenswert, diese ganzen Ideen, Pläne und Stadtmodelle. Ein wenig erschrocken war ich über die Hochhauspläne der Architekten Hugo Häring und Ludwig Hilberseimer für den Gendarmenmarkt von 1928.
Auch das Café Moskau als Ausstellungsort ist ein lohnenswertes Ausflugsziel. Die Nachtbar im Kellergeschoss hat ein ganz eigentümliches Flair.
Hallo, einmal kurz nach Wolgast bitte: Das DeuBa-Haus dort ist auch von Poelzig. Gruß.
Vielen Dank, längst bekannt, wie man sieht: http://freestland.wordpress.com/2010/06/06/hans-poelzig-sparkasse-in-wolgast/
Beste Grüße!
Vielen Dank, längst bekannt, wie man sieht: http://freestland.wordpress.com/2010/06/06/hans-poelzig-sparkasse-in-wolgast/