»Tagesarbeit, ernster Wille,
nachts ’n Schluck in de Destille
und een bisken kille-kille,
det hält munter – Heinrich Zille.«
Da biste platt! Der Zeichner Heinrich Zille hat nicht nur den Berlinern aufs Maul und den Berlinerinnen auf den Hintern geschaut, sondern auch eine Komik-Kolumne auf Plattdeutsch ausgeheckt. Diese einbildrigen Comics brachten es auf über 200 Fortaetzungen und gelangten später als Postkarten in Umlauf. Im Mittelpunkt standen die beiden gutmütlichen Landsturmmänner Vadding un Korl, die ihre privaten Erlebnisse an der Front mit einem kleinen Bonmot kommentierten. Wir befinden uns übrigens mit der Wehrmacht im Ersten Weltkrieg – und da steckt das Dilemma, weshalb die Bilderreihe in Vergessenheit geriet.
Obwohl im sächsischen Radeburg geboren, war Heinrich Zille so richtig erst in Berlin zuhause. Hier studierte er die Menschen und fertigte seine Zeichnungen von den einfach Leuten an. Det war sein Zilljöh Milljöh! Hinterhöfe, Trinkerkneipen, Hurenzimmer, Kinderarmut und Gartenlauben verwandelte der Pinselheinrich mit wenigen Strichen in humoristische Sozialstudien, frei nach dem Motto: »Was einem im wahren Leben verdrießt, man auf Bildern gern genießt.«
[Wikipedia] Von 1880 bis 1882 absolvierte Zille seine Militärdienstzeit als Grenadier in Frankfurt a.d. Oder und als Wachsoldat im Zuchthaus Sonnenburg (heute Słońsk). In den zwei Jahren Dienstzeit entstanden unzählige episodische Soldatenbilder mit vorwiegend humorvollem Charakter, viele dieser Arbeiten sind jedoch verschollen. Zille verarbeitete die eigenen Militärerlebnisse später in seinen anekdotischen Soldaten- und Kriegsbildern, die zwischen 1914 und 1916 sehr erfolgreich als Serien unter den Titeln Vadding in Frankreich I u. II und Vadding in Ost und West erschienen. Die satirischen, wenn auch überwiegend patriotischen Bildbände wurden vielfach als Kriegsverherrlichung angesehen, infolgedessen schuf Zille auf Anregung seines Freundes Otto Nagel die eindringlicheren Antikriegsbilder Kriegsmarmelade, die allerdings erst lange nach dem Krieg in einer sehr geringen Auflage veröffentlicht wurden und mittlerweile an Aktualität eingebüßt hatten. [/Wikipedia]
Mit Ausbruch des Krieges zeichnete Zille für den Ulk, die satirische Wochenbeilage des Berliner Tageblatts, eine eigene Bilderreihe um die beiden Soldaten Vadding un Korl. Für die Figur des Vadding (Väterchen) nahm er sich den Bürgermeister des pommerschen Ortes Rosemarsow bei Demmin, wo sein Sohn Hans als Lehrer arbeitete, zum Vorbild. Der schweigsame Korl (Karl) war Zille selbst. Typisch für die Reihe war, dass Vadding seinem Kameraden Korl stets etwas auf Plattdeutsch zurief. Zum Beispiel: »Süh, Korl, den Granattrichter! Da seggen se ümmer, wir maken Geschichte – wi maken ook Geographie!« Weitere Beispiele habe ich unten angefügt, aus Mangel an verwendbarem Bildmaterial leider nur als Text.
Kurt Tucholsky, der vom Dezember 1918 bis zum April 1920 selbst Chefredakteur des Ulk war, urteilte später so: »Heinrich Zille ist vor dem Kriege und im Kriege manchmal das Opfer dieser Auftraggeber geworden. Er hat Sachen zeichnen müssen, die man ihm aufgegeben hat und die ein andrer ein bisschen schlechter gezeichnet hätte: er hat im Kriege eine geradezu schauerliche Serie vom Stapel lassen müssen, die von Berlin und vom Kriege gleich weit weg log und mit beiden nur die Gemeinsamkeit hatte, dass sie beiden zum Verkauf angeboten wurde; er hat manchmal ulken müssen, wo er ganz etwas andres tun wollte.«
Nun sollte man die Sache immer mit zeitlicher und emotionaler Distanz betrachten. Zille war kein Militarist oder gar Kriegstreiber – ganz im Gegentum! Karikaturen über den Krieg zu zeichnen mag anrüchig klingen, es aber nicht sein. Man kann über alles Comics und Karikaturen machen: Krebs, Aids, Erdölkatastrophen und eben Krieg. Ich denke dabei besonders an den Italiener Franco Bonvicini alias Bonvi und seine Sturmtruppen-Comics, in denen er die Wehrmacht veralbert, aber vielleicht auch verharmlost. Für Zille war das damals ein Brotjob, das muss man sich klarmachen. Die sich darüber mokieren, mussten und müssen nicht vom Zeichnen leben und können deshalb schön mit dem unbeschäftigten Zeigefinger in der Luft rühren. Also, ans Licht mit Heinrich Zilles Gesamtwerk, bevor es die Falschen tun!
Vadding in Frankreich
Nr. 2: »Süh, Korl, dat ierste Veilchen! Nu künn ick ook mal ’ne Liebesgab’ schicken!«
Nr. 4: »Aewerst de Piep beholl ick ins Gesicht, sünst weit mien Mining nich, wo ick de Snut hew.«
Nr. 5: »Korl, giw de Häuhner mal en poor Ziepollen (Zwiebeln) mit mang, denn legen se schöne bunte Ostereier!«
Nr. 10: »Du, Korl, ick glöw, nu beißt ’ne Mine an!«
Nr. 12: »So, Korl, nu möten wir ierst mal ’n französischen Munitionstranspurt affangen, dat wi tau’n Erntewagen kommen.«
Nr. 14: »Süh, Korl, da is ja all wedder uns’ oll Flaschenkind!«



[...] ihm mit einem ansehnlichen Kindergeld. Klaro, der Kaiser brauchte neue Untertanen, die er in seinen Kriegen verheizen konnte. An Egelinskis erfolgreichem Kindersegen waren übrigens zwei Frauen beteiligt, [...]