
Werdersche Wachsrenetten (Anklicken!)
Ist da wer, der helfen kann?
Die Sache mit den Äpfeln und den alten Obstsorten fängt an frische Blüten zu treiben. Neulich saß ich mit einige Apfelkundlern, die sich selbst Pomologen nennen, in geselliger Runde beisammen. «Pomologe» klingt wie Pommernforscher, aber gemeint ist pomum, die lateinische Vokabel für Obst. Bei einem Glas Apfelwein und selbst gepresstem Apfelsaft sprachen wir über alte Sorten und wie man diese erhalten und wieder populär machen kann. Das Problem ist nämlich, dass Apfelbäume nur eine begrenzte Lebenszeit haben, die Sorte selbst aber quasi unsterblich ist — solange jemand da ist, der frische Reiser abnimmt und diese anderswo aufpfropft. Wenn der Baum abgestorben ist, war es das mit der Sorte, Ende im Gelände. Also: die Zeit eilt!
Ist da wer, der helfen kann?
So kamen wir auf drei Äpfel zu sprechen, die aus der Anbauregion Werder/Havel bei Potsdam stammen. Mittlerweile sind die so selten, dass sie kaum noch einer kennt. Ich erklärte mich bereit, mit dem Freestland-Blog zu helfen. Vielleicht meldet sich ja der ein oder andere Leser. Bei meiner anschließenden Recherche im elektrischen Weltnetz (ich sollte vielleicht lieber «Internet» sagen) kam ich auf die mickerigsten Treffenquoten überhaupt. Das schafft man sonst nur mit erfundenen Begriffen, die höchstens jemand anderes mal irrtümlicherweise durch einen Tippfehler vorweggenommen hat. Um diese Sorten geht es:
1) Werdersche Wachsrenette – ein Treffer: Historisches Obst, neu entdeckt (Berliner Morgenpost, 5. Juni 2008)
2) Werderscher Milchapfel – ein Treffer: De appelindustrie is niet meer zoals vroeger (27. Oktober 2005)
3) Schöner aus Werder – kein Treffer (stattdessen ein Link zu Werder Bremen)
und
4) Werderscher Kalvill – lediglich ein Synonym für den London Pepping von 1580
Von der Werderschen Wachsrenette gibt es wohl noch einen Baum, denn da wurde mir das obige Foto zugespielt. Aber ein Baum allein reicht nicht. Wer kann Angaben zu den genannten Apfelsorten machen und etwas zu deren Verbleib sagen? Wer weiß, wo deren Bäume noch stehen und ob sie weiterverdelt wurden/werden?
Ist da wer, der helfen kann?
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NACHTRAG: Ich weiß nicht, wie Google funktioniert, aber das wissen auch nur die engsten Mitarbeiter. Mittlerweile hat sich die Situation verändert. Wer jetzt nach der Werderschen Wachsrenette sucht, bekommt gleich mehrere Treffer geliefert. Vermutlich ist die Suchmaschine lernfähig, denn die Links führen alle zu älteren Einträgen. Lohnenswert ist das:
- Zum 300. Jubiläum ein ganz besonderer Apfelbaum (PNN, 8. Mai 2004)
- Des Kaisers alter Apfel wird wieder wachsen (Berliner Zeitung, 9. November 1999)
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