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Mit ‘Pomme’ getaggte Artikel

Der Garten Eden existiert – im Hochgebirge Tian Shan in Kasachstan! Es ist die Heimat des Asiatischen Wildapfels Malus sieversii. Er schmeckt sehr gut und ist außergewöhnlich resistent gegen Krankheiten. Noch heute gibt es sie, die wilden Apfelwälder von Kasachstan. Die alte Hauptstadt der ehemaligen Sowjetrepublik war Alma-Ata, was »Stadt der Äpfel« bedeutet, weil sie einst von Apfelwäldern umgeben war. Der Malus sieversii ist unserem Kulturapfel sehr ähnlich, aber genetisch reicher. Vor dem Menschen sorgten Bären für eine natürliche Auslese: Meister Petz bevorzugte die süßen und saftigen Äpfel, verspeiste die Früchte direkt vom Baum und schied die unverdauten Apfelkerne mit seinem Kot aus, der dann als Dung diente. Ein sehr sehenswerter und informativer Dokumentarfilm über die angebliche Frucht vom Baum der Erkenntnis. Ich wünsche eine gute Apfeltid!

Quelle: Arte-Doku, Frankreich, 2010

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Pomeranze Bitterorange

Pomeranze = Bitterorange = Citrus aurantium = pomum aurantium


Einige Leserinnen und Leseriche werden von Yahoogle & Co auf diese Seiten gelockt, weil sie in ihren Suchanfragen »Pommeranze« eingegeben haben. Die korrekte Schreibweise ist jedoch ›Pomeranze‹, denn das Wort leitet sich vom lateinischen pomum aurantium ab, was ›Goldapfel‹ bedeutet und im Deutschen eine Apfelsinen- bzw. Zitrusart meint. Die Bezeichnung wird mit ›Landpomeranze‹ auch abwertend verwendet und meint dann ein Mädchen aus der Provinz, vermutlich wegen der roten Pausbacken. Ich meine mit ›Pommeranze‹ jedoch Menschen, die in der historischen Landschaft Pommern geboren wurden. Logisch.

Arancia di Andalusia

Arancia di Andalusia

Allerdings scheint die Schreibweise ›Pomeranze‹ – wie bei vielen anderen Wörtern – erst nachträglich festgelegt worden zu sein, denn es gab sie auch mal mit Doppel-m. Das lässt auf französische Wurzeln schließen, denn dort heißt der Apfel pomme statt pomum und es gilt: la pomme est le fruit du pommier. Bei der Recherche bin ich auf ›Das Hauslexikon: vollständiges Handbuch praktischer Lebenskenntnisse für alle Stände‹ (1837) aus der Feder von Gustav Theodor Fechner gestoßen. Darin heißt es ganz erfrischend:

Pommeranzen=Blätter. Man rühmt dieselben als ein Nerven=besänftigendes Mittel bei allgemeiner Nervenschwäche mit erhöhter Reizbarkeit, in Krämpfen aller Art, insbesondere aber in der Epilepsie, wenn sie aus Nervenschwäche, durch Onanie oder dergl. entstanden war u. noch nicht tief eingewurzelt ist. Doch ist nur von anhaltend fortgesetztem Gebrauche derselben Nutzen zu erwarten. Entweder giebt man sie frisch in Substanz zu ½ bis 1 Quentchen 3 bis 4 Mal täglich, gewöhnlich in Verbindung mit andern krampfstillenden Mitteln, oder in Aufguß von 1 bis 2 Unzen Blätter mit 15 Unzen heißem Wasser auf 1 Tag, wobei man Baldrianwurzel oder Pommeranzenschalensyrup zusetzen kann; endlich auch in Abkochung mit Pommeranzenschalensyrup.

Pommeranzen=Blüten. Orangen=Blüten, dienen wegen ihres angenehmen, vom Gehalt an einem ätherischen Oele abhängenden, Geruchs zur Bereitung mancher wohlriechenden u. aromatisch schmeckenden Präparate, z. B. des P.=B.=Wassers, des P.=B.=Syrups u. P.=B.=Oels (Neroliöls), welche 3 Präparate man in Apotheken findet, ferner der P.=B.=Conserve, der P.=B.=Bonbons, welche nebst andern Präparaten aus P.=B. bei Conditoren vorkommen. Läßt man frische P.=B. mit Zucker u. Wasser eine Zeit lang stehen, so nimmt das Wasser viel von dem Arom der Blüten auf, u. man kann damit ein angenehmes Getränk bereiten.

Pommeranzen=Schalen. Die Schalen der bittern P. verdanken ihren bittern gewürzhaften Geschmack dem Gehalt an ätherischem Oel u. bitterm Extraktivstoff. Sie werden in getrocknetem Zustande ballenweise von Lissabon, Malaga, Oporto, Genua u. Triest zum Handel gebracht. Die spanischen u. portugiesischen sind die vorzüglichsten u. gewöhnlich in Viertel geschnitten; die italienischen hingegen, welche schlangenförmig u. länglich geschnitten sind, werden viel weniger gesucht. Sie müssen überhaupt trocken, dünn und nicht zu alt seyn. Eine besondere Art P.=Sch. sind die von der Insel Curacao, welche unter dem Namen Curacao=Schalen in den Handel kommen. Sie sind weit dünner als die gewöhnlichen, u. brauchen nicht wie diese zum Gebrauche vom innern markigen Theile befreit zu werden. Das Meiste von den P.=Sch. wird zum Abziehen der Branntweine und Aquavite gebraucht.«

Bildquelle: Wikipedia (Link)

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Da hab ich doch neulich im Freestland-Blog einen Artikel zu alten und regionalen Apfelsorten rausgehauen und dabei eine Sorte vergessen. Neben dem Pommerschen Krummstiel und dem Pommerschen Langsüßen gäbe es da noch den Pommerschen Schneeapfel. Das Vergessen ist umso peinlicher, wenn man bedenkt, dass diese Sorte vor allem in Neuvorpommern, wo auch Freestland liegt, verbreitet war. So steht es zumindest in der Wikipedia. Hiermit wird dieser Apfel nachgereicht. Und den Namen wird man sich merken müssen: Schneeapfel – passend zur Jahreszeit!

Mecklenburg-vorpommersche Apfelsorten, alphabetisch gerodet
1. Doberaner Renette (Link)
2. Mecklenburger Kantapfel (Link)
3. Mecklenburger Königsapfel (Link)
4. Mecklenburger Orangenapfel (Link)
5. Pommerscher Krummstiel (Link)
6. Pommerscher Langsüßer (Link)
7. Pommerscher Schneeapfel (Link)
8. Roter Winterstettiner (Link)
9. Teterower Zitronenapfel (Link)

Anhang
Anbei gibt es das Faltblatt Alte Apfelsorten (pdf) der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern, Gartenbaukompetenzzentrum, Sachgebiet Obstbau, das einige Empfehlungen zu alten Sorten mit besonderer Anbaueignung in MV enthält. Interessanterweise decken sich deren Empfehlungen kaum mit den meinigen oben.

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Werdersche Wachsrenette

Werdersche Wachsrenetten (Anklicken!)


Ist da wer, der helfen kann?

Die Sache mit den Äpfeln und den alten Obstsorten fängt an frische Blüten zu treiben. Neulich saß ich mit einige Apfelkundlern, die sich selbst Pomologen nennen, in geselliger Runde beisammen. «Pomologe» klingt wie Pommernforscher, aber gemeint ist pomum, die lateinische Vokabel für Obst. Bei einem Glas Apfelwein und selbst gepresstem Apfelsaft sprachen wir über alte Sorten und wie man diese erhalten und wieder populär machen kann. Das Problem ist nämlich, dass Apfelbäume nur eine begrenzte Lebenszeit haben, die Sorte selbst aber quasi unsterblich ist — solange jemand da ist, der frische Reiser abnimmt und diese anderswo aufpfropft. Wenn der Baum abgestorben ist, war es das mit der Sorte, Ende im Gelände. Also: die Zeit eilt!

Ist da wer, der helfen kann?

So kamen wir auf drei Äpfel zu sprechen, die aus der Anbauregion Werder/Havel bei Potsdam stammen. Mittlerweile sind die so selten, dass sie kaum noch einer kennt. Ich erklärte mich bereit, mit dem Freestland-Blog zu helfen. Vielleicht meldet sich ja der ein oder andere Leser. Bei meiner anschließenden Recherche im elektrischen Weltnetz (ich sollte vielleicht lieber «Internet» sagen) kam ich auf die mickerigsten Treffenquoten überhaupt. Das schafft man sonst nur mit erfundenen Begriffen, die höchstens jemand anderes mal irrtümlicherweise durch einen Tippfehler vorweggenommen hat. Um diese Sorten geht es:

1) Werdersche Wachsrenette – ein Treffer: Historisches Obst, neu entdeckt (Berliner Morgenpost, 5. Juni 2008)
2) Werderscher Milchapfel – ein Treffer: De appelindustrie is niet meer zoals vroeger (27. Oktober 2005)
3) Schöner aus Werder – kein Treffer (stattdessen ein Link zu Werder Bremen)
und
4) Werderscher Kalvill – lediglich ein Synonym für den London Pepping von 1580

Von der Werderschen Wachsrenette gibt es wohl noch einen Baum, denn da wurde mir das obige Foto zugespielt. Aber ein Baum allein reicht nicht. Wer kann Angaben zu den genannten Apfelsorten machen und etwas zu deren Verbleib sagen? Wer weiß, wo deren Bäume noch stehen und ob sie weiterverdelt wurden/werden?

Ist da wer, der helfen kann?

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NACHTRAG: Ich weiß nicht, wie Google funktioniert, aber das wissen auch nur die engsten Mitarbeiter. Mittlerweile hat sich die Situation verändert. Wer jetzt nach der Werderschen Wachsrenette sucht, bekommt gleich mehrere Treffer geliefert. Vermutlich ist die Suchmaschine lernfähig, denn die Links führen alle zu älteren Einträgen. Lohnenswert ist das:
- Zum 300. Jubiläum ein ganz besonderer Apfelbaum (PNN, 8. Mai 2004)
- Des Kaisers alter Apfel wird wieder wachsen (Berliner Zeitung, 9. November 1999)

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