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Posts Tagged ‘DDR’

Hiermit präsentiere ich meiner geneigten Leserschaft ein wahres Juwel. Der Defa-Film zeigt recht anschaulich die Stimmung vor der Währungsunion. Gedreht wurde im wunderbaren Jahr der Anarchie, zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 1990, Stichtag für die Mark der DDR.

BERLIN-PRENZLAUER BERG.
BEGEGNUNGEN ZWISCHEN DEM 1. MAI UND DEM 1. JULI 1990

Petra Tschörtner, DDR 1990, 75 Minuten

„Die Schwarzweiß-Doku liefert Bilder aus dem Leben der Kiez-Bewohner in den letzten Monaten vor der Währungsunion. We need revolution singt Herbst in Peking aus dem Prenzlauer Berg in den Trümmern der Mauer am Rande ihres Stadtbezirks. Dabei ist im Mai ’90 schon fast alles gelaufen. Im Prater schwooft Knatter-Karl mit seiner Freundin. Frieda und Gerda im Hackepeter sind erschüttert; denn gleich nach dem Fall der Mauer wurde im Tierpark ein Papagei gestohlen. Die Polizei jagt bewaffnete Männer, während Näherinnen erklären, warum die Vietnamesen zuerst entlassen werden. Ein einsamer Gast aus dem Wiener Cafe singt zum Abschied das Lied von der Heimat, während die rumänische Combo zum Balkan-Express zurückeilt. Die Hausbesetzer träumen von Anarchie und Frau Ziervogel, Inhaberin von Berlins berühmtester Würstchenbude, segnet das erste Westgeld. Der Tag der Währungsunion ist da. Filipp Moritz besetzt den Prenzlauer Berg.“

Die Doku steht bei Vimeo auch zum Download bereit.
(640 x 496 = 377MB oder 700 x 576 = 1GB)

via Geschichtspuls

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Der Grimme-Preis 2011 ging zwar nicht nach Grimmen, aber dafür nach Greifswald. Im Bereich Information und Kultur wurde die zweiteilige Dokumentation „DDR ahoi! – Kleines Land auf großer Fahrt“ und „DDR ahoi! – Unterwegs auf allen Meeren“ geehrt. Bei dem Zweiteiler, der den „Aufstieg der DDR zur Seefahrernation“ erzählt, handelt es sich um eine Gemeinschaftsproduktion der in Greifswald, Berlin und Leipzig ansässigen Firma Hoferichter & Jacobs, des MDR und des NDR in Mecklenburg-Vorpommern. Weitere Grimme-Preisträger 2011 waren Alex Bojcan alias Kurt Krömer und der Dokumentarfilm „Aghet – Ein Völkermord“ über den Genozid nationalistischer Türken an den Armeniern.

Den Hinweis verdanken wir dem aufmerksamen Fleischervorstadt-Blog.

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Herz der Republik

Herzrasen: Wo früher der Palast der Republik aufragte, liegt heute Deutschlands teuerste Wiese. Eine beherzte Seele hat vor kurzem dort statt eines Kornkreises ein Herz ins Grün gezogen. (Anklicken zum Ankieken)


Von der Ostsee zur Ostseele ist es nur ein kurzer Gedankenfluss. Genau heute wird allerorten der 20. Jahrestag des Mauerfalls begangen. Das Thema wurde zwar ausgiebig besprochen, doch möchte ich dem noch etwas hinzufügen. Es wird oft behauptet, ein einzelner Mann hätte die Grenze geöffnet. Manchmal meint man damit den Grenzbeamten Harald Jäger, der in der Bornholmer Straße als erster den deutsch-deutschen Schlagbaum entfernte. Viel öfter meint man jedoch den Regierungsversprecher Günter Schabowski, der auf der legendären Pressekonferenz vom 9. November 1989 den Zug der Geschichte in die Bornholmer Straße leitete.

Damit verdanken wir einem müden Pommern den Fall der Mauer, denn Günter Schabowski wurde am 4. Januar 1929 in Anklam geboren. Einem Gespräch mit Hans-Hermann Hertle am gestrigen Sonntag im Deutschen Historischen Museum konnte ich entnehmen, dass der frisch gekürte Regierungssprecher Schabowski ziemlich übermüdet war, als er die Erklärung zu den neuen Reiseregelungen verkündete und sich so den historischen Schnitzer „Das tritt nach meiner Kenntnis, äh, ist das sofort, unverzüglich“ leistete. Laut Hertle, der für sein Buch „Chronik zum Mauerfall“ recherchiert hatte, ging Schabowski im Anschluss an die Pressekonferenz ins Bett und schlief bis zum bösen Erwachen. Derweil bastelten AP und DPA aus diesem Satz die Meldung „Die Mauer ist offen“ und Hajo Friedrichs von den Tagesthemen machte daraus eine Fernsehmeldung, die sich im Nachhinein bewahrheiten sollte. Der Rest ist hinlänglich bekannt.

Seien wir Schabowski dankbar. Er war es auch, der am 4. November 1989 als einziger aus der SED-Führungsriege bei der Kundgebung auf dem Alexanderplatz zu den aufgebrachten Demonstranten sprach und dort von einer halben Million Menschen ausgepfiffen wurde. Respekt! Als Schabowski und Egon Krenz (ebenfalls aus Pommern) für die Todesschüsse an der Mauer angeklagt und verurteilt wurden, bekannte sich Schabowski zu seiner moralischen Schuld und trat seine Gefängnisstrafe nach meiner Kenntnis sofort, unverzüglich an, während Egon Krenz sich als Opfer stilisierte und überhaupt eine unsympathische Figur machte/blieb.

Ein anderer Anklamer war angeblich nicht so erfreut, als die Grenzen zum anderen Deutschland geöffnet wurden. Matthias Schweighöfer, der 1981 in Anklam geboren wurde, hatte sich so sehr auf seine Beförderung von den Jungen Pionieren zu den Thälmannspionieren und auf das rote Halstuch gefreut, dass ihm der Fall der Mauer nicht in den Kram passte. „Mich hat es tierisch genervt, dass die Mauer gefallen ist, weil ich mich so gefreut hab auf dieses Halstuch.“ So steht es zumindest im Netz.

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