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Fischer, Seejungfrau und Königsgattin laden zum Sitzen zwischen den Bänken ein.


Im vergangenen November wurde in Greifswald die Skulptur „De Fischer un sin Fru“ von Heinrich Zenichowski eingeweiht. Da das plattdeutsche Rungemärchen quasi das Hausmärchen des Freestland-Blogs ist, wurden die Leser ausführlich auf dieses Ereignis hingewiesen. Leider fehlte ein Bild der Holzplastik zur Illustration, darum wählte ich Lothar Sells gleichnamige Terrakotta-Arbeit, welche in Fürstenberg/Oder auf dem Museumshof an eine Hauswand gelehnt steht. Inzwischen liegen auch Fotos vom eigentlichen Anschauungsobjekt aus der Rigaer Straße im Greifswalder Ostseeviertel vor.

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»Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.«
(Novalis)

»Klassik ist das Gesunde, Romantik das Kranke.«
(Goethe)

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Die Neuigkeit kam auf Ätherflügeln und Pflasterstiefeln: Das Pommersche Landesmuseum in Greifswald plant für diesen Sommer eine Sonderausstellung zur »Geburt der Romantik in Pommern« (28. August bis 21. November 2010). Angedacht sind rund 100 Gemälde und Grafiken von berühmten Pommern aus der Zeit der Frühromantik. Vorgestellt werden Originalwerke von Caspar David Friedrich (1774-1840) aus Greifswald, Philipp Otto Runge (1777-1810) aus Wolgast und Friedrich August von Klinkowström (1778-1835) aus Ludwigsburg. Die drei Künstler seien seinerzeit miteinander befreundet gewesen.

Für die Schau sind neben Werken aus dem eigenen Bestand etwa 20 Gemälde und 80 Grafiken als Leihgaben von Museen und Kupferstichkabinetten in Hamburg, Berlin, Dresden, Wien und Köln angekündigt. Mit dem Botanischen Garten der Universität werde in der gläsernen Museumshalle auch eine Pflanzenschau mit Blumen vorbereitet, die Runge seinerzeit in Scherenschnitten und Gemälden abgebildet hatte.

Die Romantik gilt als Europas letzte umfassende Kulturepoche und erste große Jugendbewegung. Im Gegensatz zur vorangegangenen Epoche der Klassik, die mehr die Vernunft und Naturwissenschaften verehrte, betonte die Romantik Gefühle, Stimmungen, Träume und innere Realitäten. Ricarda Huch, die sich um die Jahrhundertwende intensiv mit „Blüte, Ausbreitung und Verfall der Romantik“ beschäftigt hatte, stellte dabei fest, dass die ersten Romantiker aus Deutschlands Norden kamen. Um zu dieser Perspektive zu gelangen, musste man allerdings in Wien wohnen.

Der Wolgaster Frühromantiker Philipp Otto Runge war nicht allein Maler. Ihm verdanken wir die beiden in Pommerschen Platt aufgeschrieben Märchen „Vom Fischer un sine Fru“ und „Van den Machandel-Boom“ (= Von dem Wacholderbaum), die Eingang in die Grimmschen Kinder- und Hausmärchen gefunden haben. Damit inspirierte Runge den Freiherrn Joseph von Eichendorff um 1808 zu einer „Sammlung oberschlesischer Sagen und Märchen, meist dem Mund des Volkes abgelauscht“, was sowohl Deutsch als auch Polnisch meinte. In einer fragmentarischen Geschichte taucht ein slawischer Märchen-Hans auf, der als Vorbild für Eichendorffs berühmten „Taugenichts“ gedient haben dürfte.

Zu den nordischen Vertretern der Romantik zählen außerdem der nationalistische Polterpoet Ernst Moritz Arndt (1769-1860) sowie – wenn man Brandenburg an der Havel und Frankfurt an der Oder als deutschen Norden ansieht – Friedrich de la Motte Fouqué (1777-1843) und Heinrich von Kleist (1777-1811).

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Etwas kopflos: Der Fischer und seine Frau (Terrakotta) von Lothar Sell


Der Mythos lebt. Obwohl das Märchen des Wolgaster Dichters Philipp Otto Runge schon 200 Jahre alt ist und wir schon lang nicht mehr an sprechende Fische glauben, hat die Geschichte vom treudoofen Fischer und seiner unzufriedenen Frau nichts an Faszination verloren. Es muss an der zwischenmenschlichen Erzählebene liegen, die das Märchen jung erhält und aktuell bleiben lässt.

Am heutigen Tage wird der Diskurs um das alte Fischerpärchen auf plastische Weise fortgeführt, indem eine Skulptur die alte Geschichte neu erzählt. Um 10:30 Uhr wird in Greifswald die Skulptur „De Fischer un sin Fru“ von Heinrich Zenichowski eingeweiht. Zu finden ist sie im Innenhof Gedserring 1-8, Rigaer Straße 25-27. Mit der Einweihung des Figuren-Ensembles feiert die zuständige Wohnungsbau-Genossenschaft Greifswald (WGG) ein Jubiläum. Anlass ist die 500. Schlüsselübergabe im Ostseeviertel-Parkseite seit Beginn des Stadtumbauprojektes 2004.

Da dem Freestland-Blog kein Foto des neuen Skulpturen-Ensembles vorlag, müssen wir tief in unseren Bilderfundus greifen und improvisieren. An dieser Stelle muss uns Lothar Sells „Der Fischer und seine Frau“ – leider ohne plattdeutsche Diktion, aber dafür in sympathischem Terrakotta – genügen. Dass die Frau vom Fischer hier so kopflos daherkommt, war keine böswillig gemeinte Andeutung des zu Beginn des Jahres verstorbenen Künstlers, sondern mutwillige Absicht mir unbekannter Rowdys. (Sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des Täters oder der Täter führen, sind übrigens willkommen.) Möge das Werk von Heinrich Zenichowski größere Akzeptanz unter den Ganz- und Halbstarken finden.

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