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Posts Tagged ‘Greifswald’

Rubenowplatz und Universität Greifswald

Rubenowplatz und Universitätsgebäude Greifswald (via Wikipedia)


Am 17. Oktober 1456 wurde die Universität Greifswald auf Betreiben von Bürgermeister Heinrich Rubenow gegründet und heute feiert sie 555-jähriges Bestehen. Dabumas Logbuch war sehr aufmerksam und gratulierte ganz herzlich. Das Freestland-Blog schließt sich den guten Wünschen an.

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Foto: Markus Studtmann // Der Urheberrechtsinhaber erlaubt es jedem, dieses Werk für jeglichen Zweck, inklusive uneingeschränkter Weiterveröffentlichung, kommerziellem Gebrauch und Modifizierung, zu nutzen.

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via dabumas Logbuch

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Über Joachim Lottmann kursieren zwei Äußerungen jüngeren Datums. Die eine stammt von Sibylle Berg: „Joachim Lottmann ist einer der am meisten unterschätzten Schriftsteller Deutschlands, beneidet ob seines grandiosen schriftstellerischen Talents.“ Die andere stammt von Lottmann selbst, er bezieht sich auf seinen neuen Roman: „Dieser Roman ist nicht lustig. Psychische Probleme sind nicht lustig. Lassen Sie sich durch die pseudowitzige Aufmachung des Buches nicht täuschen (nichts für Angsthasen!)“- okay, so weit verstanden.

Und zwar beides. Das Lob der Schriftstellerkollegin, sie sprach es aus angesichts der Verleihung des Wolfgang-Koeppen-Preises. Lottmann ist ein Außenseiter des Literaturbetriebs, in dem andere mehr Bücher verkaufen und wieder andere die Preise und die Stipendien abräumen. Lottmann wird nicht oft gelobt. Er ist ein maßloser Ironiker, ganz gefangen im Spiegelkabinett des Uneigentlichen. Der grundsätzliche Unernst, mit dem er die Berliner Republik betrachtet (zuletzt in dem Band „Auf der Borderline nachts um halb eins“), macht ihn für die Mächtigen verdächtig.

Thomas Andre, Hamburger Abendblatt

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Joachim Lottmann: Hundert Tage Alkohol. Kein Roman. Czernin. 160 Seiten, 19,80 Euro; Unter Ärzten. KiWi. 256 Seiten, 8,99 Euro

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via pom-lit.de

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Judith Schalansky - Der Hals der Giraffe

Der Hals der Giraffe (perspektivisch verkürzt)


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Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe. Bildungsroman. Suhrkamp: 2011

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Kreisflagge Ostvorpommern

Ab morgen weht die Kreisflagge von Ostvorpommern auf Halbmast.


Am Sonntag sind Mecklenburger und Vorpommern dazu aufgerufen, sich in Landtags- und Kommunalwahlen eine neue Regionalregierung zusammenzukreuzen. Außerdem greift die längst beschlossene Kreisgebietsreform. Aus den bestehenden zwölf Landkreisen und sechs kreisfreien Städten werden jetzt sechs Großkreise plus zwei kreisfreie Städte (Hansestadt Rostock und die Landeshauptstadt Schwerin). Für die neuen Großkreise, übrigens die größten in ganz Deutschland, werden außerdem Namen gesucht. Auch hierzu darf am Sonntag der beste Vorschlag angekreuzt werden.

Mein kleines Freestland, das bisher zum Landkreis Ostvorpommern gehört hatte, geht nun zusammen mit der ehemals kreisfreien Hansestadt Greifswald im Großkreis »Südvorpommern« auf (oder unter), der vermutlich am Montag Morgen den offiziellen Namen Vorpommern-Greifswald erhalten wird. Der Sympathieslogan »Gestatten, Ostvorpommern!« bekommt dann endlich seinen verborgenen Sinn, denn fortan wird es heißen: »Gestatten, Ostvorpommern aufzulösen?«

Ortseingangsschild  Lassan

Wird Ostvorpommern in unserer Erinnerung verblassen, wie hier auf dem Ortseingangschild?


Obwohl der neue Großkreis Südvorpommern mit 3927 Quadratlatschen um einiges größer sein wird als das Bundesland Saarland (2568 km²) oder der bisher größte Landkreis, die Uckermark in Brandenburg (3058 km²), werden die drei neuen Mecklenburger Großkreise die Liste der größten deutschen Kreise anführen. Der Usedomspotter von nebenan unkte bereits über das Das Ende der gemeindlichen Selbstverwaltung. Man könnte auch steigern: groß → Großkreis → Größenwahn. Vermutlich droht mit der nächsten Gebietsreform 2020 die Ausdehnung des Landkreises Westmecklenburg auf den gesamten Erdkreis. Wer weiß? Wie raunte schon der Schweriner Staatssekretär Ovid in seinem unnachahmlichen Plattdeutsch: »Gentibus est aliis tellus data limine certo: Romanae spatium est urbis et orbis idem. Andere Völker haben ein Gebiet mit festen Grenzen: Nur bei dem Schweriner deckt sich die Stadt mit dem Erdkreis.«

Wird wirklich die Welt untergehen? Oder wird sie nur einer schöneren Platz machen? Abwarten.

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Nudelsalat

Heute: Ein Kessel Buntes


Zum dritten Geburtstag des Freestland-Blogs am 6.6.2011 hatte ich eigentlich einen oppulenten und höchst originellen Artikel geplant mit Suchbegriffen, die auf diese heiligen Seiten führen. Aber mit der Aufgabenstellung war die Messlatte so unermesslich hoch gehängt, dass man bequem drunter durch laufen kann. Und das mache ich jetzt. Der Blogger Vilmoskörte von nebenan hat gerade erst unter dem Titel „vogel ohne fleisch“ einen Artikel erstellt, in dem listenartig Suchbegriffe aufgeführt sind, die zu seinem Blog führten. Da dachte ich mir, warum soll ich mich noch länger auf die Kalauer legen, wenn doch die Suchanfragen an sich schon originelle Formulierungen und somit die Helden des Beitrags sind? Hier sind sie nun – gestern noch in den Suchmaschinen, heute schon auf unserer Showbühne – die Suchanfragen:

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bresekow in vorpommern
rumms da geht die pfeife los
wenn einer dauhn deit wat hei deiht denn kann hei nich mihr dauhn as hei deiht
vadding in frankreich
fische in der peene
runkelmunkel
antje antje timpe te
realitätsnahe romane
unzufriedene frau vom fischer
peter braun in ahlbeck
weltuntergang mecklenburg
freest radioaktiv
haus des rundfunks großer sendesaal
hans fallada schreibt allein roman
ostsee lassan wer war da
traktor unfälle auf usedom
ein bett im kornfeld umgedichtet
raupe grün stachel
mangelreich
sprachkurs ostdeutsch
karikaturen zum 20. geburtstag
„ddr ahoi“
100 grad fieber
armengrab
catwalk binz
gebührenpflichtiger parkplatz
wie soll der neue kreis heißen … ostvorpommern

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Die besten Pferde im Stall sind übrigens die Namen: heinrich zille, fritz reuter, wilhelm busch, alfred döblin, alfred grenander, alfred roloff, hans fallada, hans poelzig, bernt notke, philipp otto runge. Namen ziehen unheimlich Leser an, darum dieses Namedropping.

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Kuppel im Militärwaisenhaus Potsdam

Kuppel im Militärwaisenhaus Potsdam


(pöApö) Erst einmal eine rhetorische Frage zum Lockerwerden: Wenn Judith Schalansky und ich eine Tochter miteinander hätten, ob sie dann Judith Zander hieße? Zurück zum Thema. Judith Schalansky stammt aus Greifswald und hat ein neues Buch fertig: Der Hals der Giraffe. Auch die Typographie und der Einband sind von ihr. Viele kennen den Namen Judith Schalansky durch den mit Preisen überhäuften Atlas der abgelegenen Inseln: Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde. Die Handlung ihres aktuellen »Bildungsromans« spielt am Charles-Darwin-Gymnasium in Vorpommern. Unterbrochen, nein: ergänzt wird die Handlung von faszinierenden zoologischen Darstellungen in filigranem Schwarzweiß, die sich mehr oder weniger mit der Evolution beschäftigen. In Analogie zu Umberto Ecos Die Flamme der Königin Loana könnte man das Buch auch als »Illustrierten Roman« bezeichnen. Der graue Ganzleineneinband der gebundenen Ausgabe erinnerte mich haptisch und optisch an die Bildungsbürgerlektüre der DDR, das war wohl so beabsichtigt. Da der Titel offiziell erst im September 2011 erscheint, dürft ihr euch den Sommer über in Vorfreude suhlen.

Kurzbeschreibung auf Amazon, Lake & Palmer

Anpassung ist alles, weiß Inge Lohmark. Schließlich unterrichtet sie seit mehr als dreißig Jahren Biologie am Charles-Darwin-Gymnasium. Daß ihre Schule in vier Jahren geschlossen werden soll, ist nicht zu ändern – in der schrumpfenden Kreisstadt im vorpommerschen Hinterland fehlt es an Kindern. Lohmarks Mann, der zu DDR-Zeiten Kühe besamt hat, züchtet nun Strauße, ihre Tochter Claudia ist vor Jahren in die USA gegangen und hat nicht vor, Kinder in die Welt zu setzen. Alle verweigern sich dem Lauf der Natur, den Inge Lohmark tagtäglich im Unterricht beschwört. Als sie Gefühle für eine Schülerin der 9. Klasse entwickelt, die über die übliche Haßliebe für die Jugend hinausgehen, gerät ihr biologistisches Weltbild ins Wanken. Mit immer absonderlicheren Einfällen versucht sie zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Nach dem gefeierten »Atlas der abgelegenen Inseln« schreibt Judith Schalansky einen Roman. Darin kämpft eine Biologielehrerin für die Einhaltung der Naturgesetze, verrenkt sich den Hals nach unerreichbaren Früchten und fällt am Ende vom Glauben an Gott Darwin ab. Schauplatz der Geschichte ist eine der irrwitzigsten Anstalten dieser Welt: die Schule.

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Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe. Bildungsroman. Suhrkamp: 2011, 222 Seiten, 21,90 Euro

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Berliner Tafel: Hans Fallada, Jeder stirbt für sich allein

Berliner Gedenktafel für Hans Fallada in Pankow


Unser Greifswalder Jung Hans Fallada (1893–1947) hat einen internationalen Bestseller gelandet. Und das 64 Jahre nach seinem Ableben. Erstaunliche Leistung! Sein letzter Roman Jeder stirbt für sich allein, der einen authentischen Fall von zivilem Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur schildert, ist derzeit in der SPIEGEL-Bestsellerliste auf Platz 7 vorgerutscht und liegt damit vor Titeln von Elke Heidenreich-Ranicki, Tommy Jaud, Alex Capus und Konsorten. Eine redaktionell bearbeitete und gekürzte Version erschien im Jahr seines Todes, die aktuelle Ausgabe hingegen gilt als Originalfassung. Der italienische Schriftstellerkollege Primo Levi meinte sogar einmal: »Das beste Buch, das je über den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus geschrieben wurde.« Ins Rollen gekommen ist dieser Fallada-Boom durch eine englische Übersetzung, die unter dem Titel Alone In Berlin in den USA und UK enorme Verkaufszahlen generieren konnte.

Hans Fallada hat ein sehr bewegtes und bewegendes Leben geführt: Duellant, Mörder, Morphinist, Alkoholiker, Betrüger, Erfolgsschriftsteller, Familienvater, Kinderbuchautor, Trinker, Bürgermeister, Junkie. Das muss man erst auf sich wirken lassen, bevor man weiter liest.

Hans Fallada kommt als Sohn eines gestrengen Landgerichtsrat in Greifswald zur Welt. Der sein Leben lang depressive Fallada, der eigentlich Rudolf Ditzen heißt, beschließt ausgerechnet in Rudolstadt, seinem Leben ein Ende zu setzen. Mit seinem Schulfreund von Necker vereinbart er ein fingiertes Duell, bei dem sie sich gegenseitig erschießen wollen. Von Neckers Kugel geht vorbei, der kurzsichtige Rudolf jedoch trifft ihn tödlich; der anschließende Selbstmordversuch misslingt. Nur seinem Richtervater ist es zu verdanken, dass dem jungen Rudolf eine Verurteilung wegen Mordes erspart bleibt.

Fallada arbeitet auf verschiedenen landwirtschaftlichen Gütern in Heidebrek in Hinterpommern, in Gudderitz auf Rügen und als Assistent der Landwirtschaftskammer in Stettin. Nebenher veröffentlicht er seine ersten Romane Der junge Goedeschal (1918) und Anton und Gerda (1923). Da er bereits Morphium spritzt, unterschlägt er zweimal Geld, weshalb er 1924 in Greifswald und 1925 bis 1928 in Neumünster einsitzt. Nach seiner Entlassung lernt er Anna Margarethe Issel kennen, die er 1929 heiratet. Nachdem er 1930 als Angestellter im Rowohlt Verlag anfängt, entwickeln sich seine realitätsnahen Romane Bauern, Bonzen und Bomben sowie Kleiner Mann – wat nu? zu Publikumserfolgen. Mit den Tantiemen macht er sich als Schriftsteller selbstständig. Er kauft ein Anwesen in Carwitz bei Feldberg in Mecklenburg, wo er im Schreibrausch die Romane Wer einmal aus dem Blechnapf frisst und Der eiserne Gustav runterrattert.

Hans Fallada Urnengrab in Carwitz

Hans Falladas Urnengrab in Carwitz bei Feldberg


Im Sommer 1944 lernt er dann Ursula „Uschi“ Losch kennen, die seine Alkohol- und Morphinsucht teilt; die beiden heiraten 1945. Bei Geldmangel prostituiert sich die schöne Uschi. Wenige Monate nach der Scheidung richtet Fallada im Dschum eine Pistole auf seine Ex-Frau und schießt wieder einmal – vorbei. Er kommt in eine Trinkerheilanstalt und verfertigt das autobiografische Buch Der Trinker.

Nach dem Krieg erinnert sich Johannes R. Becher seines Kollegen und holt diesen nach Berlin, wo sie als Nachbarn zusammen mit den neuen Machthabern im Majakowskiring in Pankow wohnen. Die beiden Leben zeigen einige bemerkenswerte Parallelen. Auch Bechers gestrenger Vater war Richter. Auch Becher wollte 21jährig einen Doppelselbstmord begehen, bei dem er allerdings nur seine Geliebte, die Prostituierte Fanny Fuß, erschoss, es aber nicht schaffte, sich selbst zu töten. Der Richtervater bewahrt seinen Sohn vor einer Verurteilung wegen Mordes. Zwischen 1914 und 1918 wird der expressionistische Dichter mehrmals wegen Morphium-Missbrauch in eine Klinik eingeliefert … Becher erhofft sich von Fallada den großen Nachkriegsroman, auf den alle warten. Und der kommt 1946. Mit Jeder stirbt für sich allein.

Als ich am 3. Juni 2007 mit meiner damaligen Freundin, einer ausgewiesenen Fallada-Spezialistin, in Carwitz das Wohnhaus von Hans Fallada besuchte, welches inzwischen ein beliebtes Museum ist, schrieb auch ich einige Zeilen in das ausliegende Gästebuch. Zwischen den gestelzten Eintragungen pensionierter Lehrer und den knappen Fünf-Wort-Sätzen ausgelassener Schulklassen wollte mir nichts rechtes einfallen. Spontan alberte ich: »Wir wünschen dem Schriftsteller Hans Fallada alles Gute für sein weiteres Schaffen!« Wer hätte gedacht, dass dieser Wunsch solche Auswirkungen auf die Gegenwart haben würde? Ich nicht.

Lesetipp
Prenzlauer Berg Nachrichten: Volksgemeinschaft Prenzlauer Berg

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Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein. Roman. Ungekürzte Neuausgabe mit einem Nachwort von Almut Giesecke. Aufbau Verlag, Berlin: 2011. 704 Seiten, 19,90 Euro.

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