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Posts Tagged ‘Mecklenburg-Vorpommern’

Kaum hat der frisch gebackene Bundespräsident Joachim Gauck (* 1940 in Rostock) das Amt von seinem Vorgänger Christian Wulff übernommen, da trifft er zwei Tage später bei seinem ersten offiziellen Termin in Leipzig auf einen gewissen Christian Wolff. Christian Wolff ist Pfarrer an der Leipziger Thomaskirche, wo Gauck am 20. März am Festakt zum 800-jährigen Bestehen des weltberühmten Thomanerchores teilnahm.

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„Pommern ist kein Zentrum des Dadaismus, Pommern ist Dada.“
(Michael Gratz)

Dadaismus in Wolgast

Wolgast: Irgendwie auch Dada

Der Dadaismus entstand als künstlerische Antwort auf die grausamen Schrecken des Ersten Weltkrieges. Die neue Kunstrichtung lehnte das bürgerliche Wertesystem – ja, das ganze überkommene Bezugssystem – völlig ab. Man stellte sich stattdessen auf einen wackeligen Stuhl und deklamierte Lautgedichte oder collagierte, was das Zeug hielt, oder provozierte drauflos und beschimpfte das Publikum. Diese Anti-Kunst taufte man ›Dada‹, die spießbürgerliche Gesellschaft schüttelte wohl eher den Kopf und nannte es ›Gaga‹.

Baronin Elsa von Freytag-Loringhoven

Bei ›Dada‹ denkt man zuerst an Zürich und Berlin, als zweites auch an Hannover, Paris und New York – aber an Pommern denkt man da zuletzt. Wer kennt heute noch Elsa Hildegard Plötz, die ›Dada-Baroness‹ Elsa von Freytag-Loringhoven? Geboren wurde die Künstlerin und Muse 1874 in Swinemünde. Ich weiß auch nicht viel über Elsa Plötz, außer dem, was die Wikipedia hergibt. Bezeichnenderweise steht in der englischsprachigen Wikipedia mehr über sie, als in der deutschsprachigen Version, denn in den USA erregte die ausgeflippte Person einige Aufmerksamkeit. Marcel Duchamp, bei dem sie Model stand, soll einmal gesagt haben: »Die Baroness ist keine Futuristin. Sie ist die Zukunft.« Im Dezember 1927 starb die Zukunft in Paris.

George Grosz

Ein weiterer Dadaist mit Bezug zu Pommern ist George Grosz, der in Stolp aufwuchs, wo der Knirps den Vater verlor. Stattdessen wurde Grosz von seinem Kunstlehrer an der Oberschule gefördert. Doch nicht alles an dieser Schule war gut. »In seiner Autobiografie ›Ein kleines Ja und ein großes Nein‹ schildert er weiterhin die von ihm als schikanös und gewalttätig empfundenen Zustände an der Schule. Nachdem er sich bei einem Referendar mit einer Ohrfeige revanchiert hatte, musste er die Schule verlassen.« Das schreibt zumindest die Wikipedia, auf die ich hier zur weiteren Lektüre verweisen möchte.

Aber auch heute noch ist Pommern (vor ollem Vorpammern) völlig Dada. Der Ober-Dada Raoul Hausmann äußerte 1922 folgenden sympathisch-anarchistischen Gedanken:

Der Dadaismus fordert die Einführung der progressiven Arbeitslosigkeit durch umfassende Mechanisierung jeder Tätigkeit. Nur durch die Arbeitslosigkeit gewinnt der Einzelne die Möglichkeit, über die Wahrheit des Lebens sich zu vergewissern und endlich an das Erleben sich zu gewöhnen.«

Man kann sagen, in Sachen Arbeitslosigkeit ist Mecklenburg-Vorpommern das fortschrittlichste Bundesland der Bundesrepublik. Die Menschen hier haben mehr Zeit als andere und sie erleben so einiges, wovon sie aber nur Menschen, die gut zuhören können, erzählen werden. Huuurz!

~
via Pomlit.de

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Elch auf Usedom

Elch auf Usedom (Exklusivfoto)


„Die schärfsten Kritiker der Elche
waren früher selber welche.“
F. W. Bernstein

Im Oktober gab es zwei Elchsichtungen in Vorpommern. Das erste Mal an der Autobahn bei Grimmen und zwei Wochen später auf der Insel Usedom. Da Elche als hervorragende Schwimmer gelten, geht man davon aus, dass es sich beide Male um den selben Elch handelt, der den Peenestrom schwimmend überquert hat. Das Freestland-Blog hat ein Exklusiv-Foto von dem gesichteten Elch ergattert, das das Tier in seiner ganzen Pracht zeigt (siehe und staune oben). Das Tier heißt übrigens Pommi.

Seit dem Winter 2000/2001 zieht es vermehrt Wildtiere aus Polen kommend in die unberührte und bevölkerungsarme Natur von Ostdeutschland. Auch damals war ein einsamer Elchbulle durch Mecklenburg-Vorpommern gestreift und in der Lausitz gab es seit einer halben Ewigkeit wieder Wölfe. Langsam aber sicher sollten wir die Sprache der Tiere erlernen, damit wir verstehen, wenn sich hier nur noch Luchs und Hase „Gute Nacht!“ sagen.

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Apfel Pommerscher Krummstiel

Die Fleischnase in der Stielgrube. Erkennungszeichen des Pommerschen Krummstielapfels.


Ob Schafsnase, Hasenkopf oder Rotes Hähnchen – wer da hineinbeißt, lebt gut vegetarisch, denn das ist reinstes Fruchtfleisch. Bei allen dreien handelt es sich um alte Apfelsorten und die sind derzeit im Trend. Aus gutem Grund, denn alte Sorten schmecken oft unglaublich gut und sind als Pflanze robuster gegen Krankheiten und Schädlinge. Außerdem sind sie im Vergleich zu den modernen Inzuchtkreuzungen genetisch reicher. Leider sieht man ihnen ihre Vorteile oft nicht an: klein, unebenmäßig, voller Flecke. Und das Auge isst mit.

Eine besondere Rolle kommt den regionalen und lokalen Sorten zu. Diese Obstsorten verfügen über einen Heimvorteil, denn sie sind bestens an Klima und Boden angepasst. Außerdem vermitteln sie Heimatgefühl und Lokalstolz. Bei dem Einen oder der Anderen lösen sie sogar Kindheitseinnerungen aus, da bis zur Wiederentdeckung oft eine große zeitliche Lücke klaffte. Bei den Äpfeln drückt sich die örtliche oder räumliche Zugehörigkeit gern im Namen aus: Altmärker Brautapfel, Britzer Dauerapfel, Gubener Warraschke, Lausitzer Nelkenapfel, Teltower Wintergravensteiner, Werdersche Wachsrenette.

Für unsere Region seien der Rote Winterstettiner, der Mecklenburger Kantapfel, der Mecklenburger Königsapfel, der Pommersche Langsüßer und der Pommersche Krummstiel empfohlen. Letzteren erkennt man unter anderem an der typischen Fleischnase in der Stielgrube, die ihm auch zum Namen verholfen hat. Der Pommersche Krummstiel ist ein echter Universalapfel und kann sowohl roh vom Baum verspeist werden, als auch zu Apfelmus verkocht oder zu Saft gepresst. Die Erntezeit läuft gerade, der Verzehr ist bei guter Lagerung bis Februar möglich. Wie wäre es also mit einer regionalen Apfelsorte, … damit Sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können!

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Jörg Schönenborn mit einer Analyse der aktuellen Hochrechnung
Quelle: Tagesthemen extra 21:45 Uhr

Frage: Was ist der Grund für den Erfolg der SPD?

Antwort: Dazu gehört zum einen ein sehr erfolgreicher Spitzenkandidat. Das hat aber auch mit der Kompetenz zu tun, die sich die SPD hier im Land erarbeitet hat. Zwei Felder sind wichtig, um eine Wahl zu gewinnen. Da ist zunächst das Thema Wirtschaft. Da ist der klassische Konkurrent die CDU. Die Kompetenzkurve der SPD wächst und kreut nach der letzten Wahl jetzt die Kompetenzkurve der SPD. Dass sie da vor der CDU liegt, ist selten. Und wenn wir uns jetzt das andere wichtige Kompetenzfeld, die soziale Gerechtigkeit, ankucken, dann ist im Osten Die Linke die Konkurrentin, und da hat die SPD halt deutlicher als bei der letzten Wahl einen Abstand auch auf diesem Kompetenzfeld erreicht.

Aha. Danke Jörg Schönenborn!

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Kreisflagge Ostvorpommern

Ab morgen weht die Kreisflagge von Ostvorpommern auf Halbmast.


Am Sonntag sind Mecklenburger und Vorpommern dazu aufgerufen, sich in Landtags- und Kommunalwahlen eine neue Regionalregierung zusammenzukreuzen. Außerdem greift die längst beschlossene Kreisgebietsreform. Aus den bestehenden zwölf Landkreisen und sechs kreisfreien Städten werden jetzt sechs Großkreise plus zwei kreisfreie Städte (Hansestadt Rostock und die Landeshauptstadt Schwerin). Für die neuen Großkreise, übrigens die größten in ganz Deutschland, werden außerdem Namen gesucht. Auch hierzu darf am Sonntag der beste Vorschlag angekreuzt werden.

Mein kleines Freestland, das bisher zum Landkreis Ostvorpommern gehört hatte, geht nun zusammen mit der ehemals kreisfreien Hansestadt Greifswald im Großkreis »Südvorpommern« auf (oder unter), der vermutlich am Montag Morgen den offiziellen Namen Vorpommern-Greifswald erhalten wird. Der Sympathieslogan »Gestatten, Ostvorpommern!« bekommt dann endlich seinen verborgenen Sinn, denn fortan wird es heißen: »Gestatten, Ostvorpommern aufzulösen?«

Ortseingangsschild  Lassan

Wird Ostvorpommern in unserer Erinnerung verblassen, wie hier auf dem Ortseingangschild?


Obwohl der neue Großkreis Südvorpommern mit 3927 Quadratlatschen um einiges größer sein wird als das Bundesland Saarland (2568 km²) oder der bisher größte Landkreis, die Uckermark in Brandenburg (3058 km²), werden die drei neuen Mecklenburger Großkreise die Liste der größten deutschen Kreise anführen. Der Usedomspotter von nebenan unkte bereits über das Das Ende der gemeindlichen Selbstverwaltung. Man könnte auch steigern: groß → Großkreis → Größenwahn. Vermutlich droht mit der nächsten Gebietsreform 2020 die Ausdehnung des Landkreises Westmecklenburg auf den gesamten Erdkreis. Wer weiß? Wie raunte schon der Schweriner Staatssekretär Ovid in seinem unnachahmlichen Plattdeutsch: »Gentibus est aliis tellus data limine certo: Romanae spatium est urbis et orbis idem. Andere Völker haben ein Gebiet mit festen Grenzen: Nur bei dem Schweriner deckt sich die Stadt mit dem Erdkreis.«

Wird wirklich die Welt untergehen? Oder wird sie nur einer schöneren Platz machen? Abwarten.

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Grab Hans Fallada Carwitz

Der Grabstein des Autors Hans Fallada in Carwitz. Foto: Stine Rugen


Ist es eine Schande oder einfach nur peinlich? Da landet der Schriftsteller Hans Fallada einen weltweiten Bestseller, als seine Leiche bereits ins Rentenalter eintritt, und alle lebenden Beteiligten scheinen ganz gut daran zu verdienen, aber der Mensch, dem sie ihr Einkommen verdanken, ist beerdigt wie ein armer Niemand. Keine Blumen, keine Grabpflege – nüscht. Das Urnengrab im mecklenburgischen Carwitz ist zum Armengrab verkommen. Bald erinnert der Grabstein nur noch an einen Namenlosen, denn die Gravur ist bereits seit Jahren ausgewaschen und verblasst weiter. Geburts- und Sterbedatum sind überhaupt nicht mehr lesbar. Peinlich, peinlich. Wie hieß doch gleich Falladas letztes Buch, dem der Aufbau-Verlag seinen derzeitigen 4. Platz auf der Spiegel-Bestsellerliste verdankt? Ein Jeder stirbt für sich allein. Eben.

Nachtrag
Sogar in Italien wird Fallada gelesen. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schreibt Bandini83 am 7. Mai 2011: ’sto libro è OTTIMO: Ognuno muore solo. mi mancano 150p. per finirlo. („Dieses Buch ist großartig: Jeder stirbt für sich allein. Mir fehlen nur noch 150 Seiten.“)

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