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Posts Tagged ‘Platt’

Der Blogger Vilmoskörte war im Oderbruch. Im Oderbruch begegnen einem immer wieder Ortschaften oder vielmehr Ansiedlungen, deren Name mit dem Wort Loose endet. Oft ist der erste Teil des Namens ein Ort in unmittelbarer Nähe. Zum Beispiel Letschin und Letschiner Loose. Diese Ansiedlungen gehen auf die Regulierung der Alten Oder und die Trockenlegung des Oderbruchs zurück. Das neu nutzbare Land wurde im Losverfahren (Plattdeutsch: Loos) aufgeteilt und die Bauern zogen aus den Dörfern direkt auf ihren Landbesitz, bildeten also verstreute Kolonien. Ausführlich erklärt das Thomas Förder in seinem Textbeitrag »Loose-Geschichte im Oderbruch« auf Oderbruchpavillon.de:

»Als Verfahren setzte sich dabei in der Folge bei größeren Separationen durch, die zusammengelegte Feldmark in neue Grundstücke aufzuteilen und diese zu verlosen. Dabei zog jeder Beteiligte nach Stand ein Los mit den Angaben über sein neues Grundstück. Dem entsprechend wurde die betreffende Gesamtfläche, die zur Verteilung gelangte, als Loose, das einzelne Grundstück als Loos bezeichnet. An dieser Stelle bietet sich an, darauf zu verweisen, dass hier zur damaligen Zeit der von Berlin ausgehende sprachliche Einfluss noch nicht im Oderbruch angelangt war, sondern das Plattdeutsch in einer seiner verschiedenen Varianten herrschte.«

Hier eine Liste der Städte und Dörfer samt ihrer Filialen, nach dem Schrägstrich folgt der heutige polnische Name:

Altlangsower Loose – Altlangsow
Altlietzegöricker Loose – Altlietzegöricke / Stare Łysogórki
Altmädewitzer Loose – Altmädewitz
Altreetzer Loose – Altreetz
Altwriezener Loose – Wriezen
Bochows-Loos – Bochow
Fritz Loose – Flugpionier
Genschmarer Loose – Genschmar
Gieshof-Zelliner Loose – Zellin
Gorgaster Loose – Gorgast
Groß Neuendorfer Loose – Groß Neuendorf
Gusower Loose – Gusow
Güstebieser Loose – Güstebies / Gozdowice
Heeses Loos
Kienitzer Loose – Kienitz
Kunitzer Loose – Kunitz / Kunice (Lebus):
Projekt Raumpioniere
Lebuser Loose / Łazy Lubuskie – Lebus
Letschiner Loose – Letschin
Lindekes Loos
Manschnower Loose – Manschnow
Müncheberger Loose – Müncheberg
Neulietzegöricker Loose – Neulietzegörick
Ortwiger Loose – Ortwig
Platkower Loose – Platkow
Ralf Loose – Trainer
Reitweiner Loose – Reitwein
Sachsendorfer Loose – Sachsendorf
Seelower Loose – Seelow
Werbiger Loose – Werbig
Wilhelmsauer Loose – Wilhelmsaue
Zäckericker Loose – Zäckerick / Siekierki
Zäckeritzer Loose – Zäckeritz
Zechiner Loose – Zechin
Zelliner Loose – Zellin / Czelin
Zellulose – Ballaststoff / Polysaccharid

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Quelle: Wikimedia - Wikipedia - Wikisource


Mit diesem Blog habe ich sozusagen eine Patenschaft für die plattdeutsche Sprache übernommen, denn Plattdeutsch gehört zu Vorpommern wie der Plattfisch in die Ostsee. Plattdüütsch wird zwar vielerorts geredet, aber kaum geschrieben. Ein Klassiker der plattdeutschen Literatur ist sicherlich das Märchen Von den Fischer un syne Fru, das übrigens nicht von den Gebrüdern Grimm, sondern von dem Wolgaster Philipp Otto Runge in der heimischen Mundart aufgeschrieben wurde. Es kann nicht oft genug betont werden – Freestland ist Rungeland.

Nun habe ich einen weiteren Klassiker opp Platt (wieder)entdeckt: Krischan mit der Piepe. Wer hätte gedacht, dass Wilhelm Busch, der Meister der lustigen Bildergeschichte, bereits 1864 platte Verse über ein Kiffercomic reimte? Die illustrierte „Rauchphantasie“ liest sich wie eine drogeninduzierte Abwandlung von Goethes Zauberlehrling:

Der Vater verlässt in Frack und Zylinder das Haus, nicht ohne seinem Sohn die Warnung vor der Tabakspfeife mitzugeben: „Krischan! lat de Piepen stahn!“ Doch Verbote lenken die Aufmerksamkeit bekanntlich auf das Verbotene und Krischan zündet sich ein Pfeifchen an. Doch rums, da geht die Pfeife los mit Getöse, schrecklich groß! Die Gegenstände beginnen ein Eigenleben, der Gehstock tanzt mit dem Regenschirm, der Ofen mit der Kohlenzange, der Tisch mit dem Sofa. Schließlich kommen auch noch die Dämonen frei und materialisieren sich aus dem Pfeifennebel zu beliebten Kinderschreckfiguren – zuerst der alte Runkelmunkel, dann der schwarze Mann. Krischan wird schwummerig und schwindelig, er fällt zu Boden. Erst die hinzutretende Mutter kann die Geister mit einer Kanne starken Kaffees verjagen. Am Ende wiederholt der Vater schmunzelnd und pfeifeschmauchend seine Warnung vom Anfang: „Krischan, lat de Piepe stahn!“

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„Wenn einer dauhn deit, wat hei deiht,
denn kann hei nich mihr dauhn, as hei deiht.“

(Fritz Reuter, 1810-1874)

Überraschend viele Zugriffe bekommt das Freestland-Blog dank eines Hinweises. Vor einem Monat habe ich kurz+knapp auf die Herausgabe einer Sondermarke zu Fritz Reuters 200. Geburtstag hingewiesen. Auf der Briefmarke à 100 Eurocent gibt es ein plattdeutsches Zitat aus der Feder des Dichters, denn Reuter hatte seinerzeit das Plattdeutsche in den Stand einer Literatursprache erhoben – vergleichbar mit Philipp Otto Runge, der eine Generation zuvor das Märchen „Von den Fischer un siine Fru“ in vorpommerscher Mundart niederschrieb und den Gebrüdern Grimm überließ.

Nun landen viele auf meinem Blog, die wissen wollen, was der Satz bedeutet. Das geht aus den Suchanfragen hervor. Hier die wenig spektakuläre Übersetzung – Deutschlehrer werden die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, weil so viel getut-tutet wird, aber die Quelle gibt nichts anderes her (Merksatz: „Tuten tut der Nachtwächter, wenn er nicht gerade schlafen tut.“):

„Wenn einer tut, was er tut,
dann kann er nicht mehr tun, als er schon tut.“

oder
„Wenn einer tut, was er tun kann,
dann kann er nicht mehr tun, als er tut.“

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Fritz-Reuter-Denkmal in Stavenhagen: Ihr Völker der Welt, sprecht mehr Platt, sonst bereuters!

Die schönsten plattdeutschen Wörter des Jahres 2010 sind „Spijöök“ und „Miendientje“. Die beiden Wörter wurden am Sonntag in Stavenhagen, der Geburtsstadt des plattdeutschen Dichters Fritz Reuter (Achtung, nicht mit dem plattdeutschen Dichter Fritz Stavenhagen verwechseln!), bekannt gegeben. Der Begriff „Spijöök“ steht für Spaß und Flunkerei und ist der Sieger in der Kategorie plattdeutsches Wort. Der Begriff „Miendientje“ siegte in der Kategorie beste plattdeutsche Wortneuschöpfung. Gemeint ist der Warenabtrenner an der Supermarktkasse, der „meins“ und „deins“ voneinander trennt. Die liebste plattdeutsche Redensart ist laut Jury: „Jeder räd`t von`t supen, keiner räd`t von`n Döst.“ (Jeder redet vom Trinken, keiner redet vom Durst.)

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»Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.«
(Novalis)

»Klassik ist das Gesunde, Romantik das Kranke.«
(Goethe)

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Die Neuigkeit kam auf Ätherflügeln und Pflasterstiefeln: Das Pommersche Landesmuseum in Greifswald plant für diesen Sommer eine Sonderausstellung zur »Geburt der Romantik in Pommern« (28. August bis 21. November 2010). Angedacht sind rund 100 Gemälde und Grafiken von berühmten Pommern aus der Zeit der Frühromantik. Vorgestellt werden Originalwerke von Caspar David Friedrich (1774-1840) aus Greifswald, Philipp Otto Runge (1777-1810) aus Wolgast und Friedrich August von Klinkowström (1778-1835) aus Ludwigsburg. Die drei Künstler seien seinerzeit miteinander befreundet gewesen.

Für die Schau sind neben Werken aus dem eigenen Bestand etwa 20 Gemälde und 80 Grafiken als Leihgaben von Museen und Kupferstichkabinetten in Hamburg, Berlin, Dresden, Wien und Köln angekündigt. Mit dem Botanischen Garten der Universität werde in der gläsernen Museumshalle auch eine Pflanzenschau mit Blumen vorbereitet, die Runge seinerzeit in Scherenschnitten und Gemälden abgebildet hatte.

Die Romantik gilt als Europas letzte umfassende Kulturepoche und erste große Jugendbewegung. Im Gegensatz zur vorangegangenen Epoche der Klassik, die mehr die Vernunft und Naturwissenschaften verehrte, betonte die Romantik Gefühle, Stimmungen, Träume und innere Realitäten. Ricarda Huch, die sich um die Jahrhundertwende intensiv mit „Blüte, Ausbreitung und Verfall der Romantik“ beschäftigt hatte, stellte dabei fest, dass die ersten Romantiker aus Deutschlands Norden kamen. Um zu dieser Perspektive zu gelangen, musste man allerdings in Wien wohnen.

Der Wolgaster Frühromantiker Philipp Otto Runge war nicht allein Maler. Ihm verdanken wir die beiden in Pommerschen Platt aufgeschrieben Märchen „Vom Fischer un sine Fru“ und „Van den Machandel-Boom“ (= Von dem Wacholderbaum), die Eingang in die Grimmschen Kinder- und Hausmärchen gefunden haben. Damit inspirierte Runge den Freiherrn Joseph von Eichendorff um 1808 zu einer „Sammlung oberschlesischer Sagen und Märchen, meist dem Mund des Volkes abgelauscht“, was sowohl Deutsch als auch Polnisch meinte. In einer fragmentarischen Geschichte taucht ein slawischer Märchen-Hans auf, der als Vorbild für Eichendorffs berühmten „Taugenichts“ gedient haben dürfte.

Zu den nordischen Vertretern der Romantik zählen außerdem der nationalistische Polterpoet Ernst Moritz Arndt (1769-1860) sowie – wenn man Brandenburg an der Havel und Frankfurt an der Oder als deutschen Norden ansieht – Friedrich de la Motte Fouqué (1777-1843) und Heinrich von Kleist (1777-1811).

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Leck mi am…

Zu dieser Jahreszeit geht so manchem Boot der Arsch auf Grundeis. Der Käpt'n dieses Kutters zeigt schon bei seiner Einfahrt in den Hafen, was Sache ist. Mors bezeichnet in der norddeutschen Umgangssprache das Gesäß.

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»Die zwei sprachen sich in ihren Dialekten über ihre Heimat aus. Sie ergänzten ihre Schimpfwörterverzeichnisse; sie wussten beide, was das ist, niederdeutsch. Es ist jener Weg, den die deutsche Sprache leider nicht gegangen ist, wieviel kraftvoller ist da alles, wieviel bildhafter, einfacher, klarer – und die schönsten Liebesgedichte, die der Deutsche hat, stehen auf diesen Blättern.«

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(Quelle: Kurt Tucholsky – Schloss Gripsholm)

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