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Posts Tagged ‘Romantik’

Nordische Kombination von Andreas Prüstel

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Die meisten kennen Andreas Prüstel nur durch seine Karikaturen im Eulenspiegel und in anderen Druckerzeugnissen. Wenn auch nicht alle den Namen parat haben, so ist seine Handschrift unverkennbar. Doch Prüstel kann noch mehr als Cartoons – Collagen nämlich. Hier wird zusammengefügt, was nicht füreinander bestimmt war, wie sein Kollege Robert Gernhardt einst titelte. Als Beispiel zeige ich meiner verehrten Durchleserschaft eine Interpretation von Der große Morgen des Wolgaster Romantikers Philipp Otto Runge (1777-1810) in Kombination mit Der Schrei des norwegischen Malers Edvard Munch (1863-1944). Als Runge geboren wurde, gehörte Wolgast noch zu Schwedisch-Pommern, darum die Überschrift „Nordische Kombination“. Prüstel selbst gab dem Bild den Titel Art-Melange. Weitere Prüstel-Werke gibt es auf Toonpool.

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Alexej Tolstoi - Vampir und Wurdalak - Übersetzt von Werner Creutziger

Tolstoi: Der Vampir. Die Familie des Wurdalak.


Ich lese gerade zwei russische Vampirerzählungen. Leider sind diese nur noch antiquarisch erhältlich, aber vielleicht legt der Aufbau-Verlag den Band 239 bald wieder auf, der die beiden Kurzgeschichten DER VAMPIR und DIE FAMILIE DES WURDALAK von Alexej Tolstoi enthält. Dank einer von Hollywood befeuerten Teenager-Mode sind Vampire momentan en vogue. Eine gute Gelegenheit, sich auch einmal den Klassikern des Genres zu widmen und vergessene Perlen ans Licht zu befördern.

Exkurs / Anfang

Im berühmten Jahr Achtzehnhundertunderfroren, dem Jahr ohne Sommer, vergnügten sich in der Schweiz, in einer Villa am Genfersee, zwei Romantiker-Pärchen. Da waren einerseits Percy Shelley (1792-1822) und seine jugendliche Geliebte Mary Wollstonecraft (1797-1851) sowie Marys Stiefschwester Jane Clairmont und deren Liebhaber Lord Byron (1788-1824). Infolge eines Vulkanausbruchs 1815 war es zu einem weltweiten Klimaumschwung gekommen. Man verbrachte den Sommer lieber vor dem Kamin, trank eine opiumhaltige Tinktur namens Laudanum und erzählte sich deutsche Schauermärchen. Einem Wettstreit der Vier um die schönste selbst verfasste Gothic horror story verdanken wir Mary Shelleys Roman FRANKENSTEIN (1818) sowie die Kurzgeschichte DER VAMPYR (1819), dem Eintritt des Vampirs in die Literaturgeschichte, fertiggestellt von Lord Byrons Leibarzt John Polidori.

Exkurs // Ende

Zwanzig Jahre später ließ sich ein Diplomat der russischen Botschaft in Frankfurt am Main ebenfalls von deutschen Schauermärchen inspirieren. Vor allem die Gruselgeschichten eines gewissen E. T. A. Hoffmann hatten es ihm angetan. Auf Französisch, der Sprache des russischen Adels, schrieb Alexej Tolstoi die Kurzgeschichten BEGEGNUNG NACH DREIHUNDERT JAHREN und DIE FAMILIE DES WURDALAK (1839) nieder. Der Wurdalak ist ein besonderer Vampir, der sich nur vom Blut seiner Verwandten ernährt, bis die ganze Sippe infiziert und mehr als nur blutsverwandt ist. Marquis d’Urfé, ein Gesandter, der auf dem Wiener Kongress von 1815 verweilte, erzählt die Geschichte einer aufmerksam lauschenden Zuhörerschaft. Eine Zusammenfassung gibt es hier. Als Tolstoi zwei Jahre später wieder in Moskau weilte, schrieb er auf Russisch die Geschichte DER VAMPIR (1841), in der es nicht weniger schaurig und mysteriös zugeht. (Ich habe noch nicht fertig gelesen.)

Von den drei russischen Schriftstellern gleichen Namens ist Alexej Konstantinowitsch Tolstoi (1817-1875) der älteste und gleichzeitig auch der unbekannteste. Das schmale Werk des romantischen Autors wurde von dem seines Cousins Lew Tolstoi (1828-1910) erdrückt, der Name von dem seines Namensvetters Alexej Nikolajewitsch Tolstoi (1883-1945) überschrieben. Kaum einer kennt heute noch seine Erzählungen, von denen die zwei genannten zu den frühesten Vampirgeschichten der russischen Literatur überhaupt gehören. Nachdem Alexej Graf Tolstoi seine Leibeigenen 1865 in die Freiheit entlassen hatte, verarmte er immer mehr, auch durch mangelndes ökonomisches Geschick. Zur Linderung seiner zahlreichen Wehwehchen – er litt unter anderem an Asthma – ließ er sich Morphium verabreichen, an dessen Überdosierung er verstarb.

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Alexej Tolstoi: Der Vampir. Die Familie des Wurdalak. Berlin & Weimar: 1972.

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Carl Gustav Carus - Eichen am Meer

Carl Gustav Carus: Erinnerung an eine bewaldete Insel der Ostsee / Eichen am Meer (1835)


Den Pinselheinrich Caspar David Friedrich kennt ein Jeder. Seinen Freund und Malerkollegen Carl Gustav Carus hingegen nur wenige. Und wenn, dann meist nur als Mediziner und Frauenarzt. Ich selbst kenne C. G. C. nur durch sein Grab in Dresden (dort las ich den Namen 2006 zum ersten Mal) und durch eine Sonderausstellung in Berlin 2009.

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»Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.«
(Novalis)

»Klassik ist das Gesunde, Romantik das Kranke.«
(Goethe)

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Die Neuigkeit kam auf Ätherflügeln und Pflasterstiefeln: Das Pommersche Landesmuseum in Greifswald plant für diesen Sommer eine Sonderausstellung zur »Geburt der Romantik in Pommern« (28. August bis 21. November 2010). Angedacht sind rund 100 Gemälde und Grafiken von berühmten Pommern aus der Zeit der Frühromantik. Vorgestellt werden Originalwerke von Caspar David Friedrich (1774-1840) aus Greifswald, Philipp Otto Runge (1777-1810) aus Wolgast und Friedrich August von Klinkowström (1778-1835) aus Ludwigsburg. Die drei Künstler seien seinerzeit miteinander befreundet gewesen.

Für die Schau sind neben Werken aus dem eigenen Bestand etwa 20 Gemälde und 80 Grafiken als Leihgaben von Museen und Kupferstichkabinetten in Hamburg, Berlin, Dresden, Wien und Köln angekündigt. Mit dem Botanischen Garten der Universität werde in der gläsernen Museumshalle auch eine Pflanzenschau mit Blumen vorbereitet, die Runge seinerzeit in Scherenschnitten und Gemälden abgebildet hatte.

Die Romantik gilt als Europas letzte umfassende Kulturepoche und erste große Jugendbewegung. Im Gegensatz zur vorangegangenen Epoche der Klassik, die mehr die Vernunft und Naturwissenschaften verehrte, betonte die Romantik Gefühle, Stimmungen, Träume und innere Realitäten. Ricarda Huch, die sich um die Jahrhundertwende intensiv mit „Blüte, Ausbreitung und Verfall der Romantik“ beschäftigt hatte, stellte dabei fest, dass die ersten Romantiker aus Deutschlands Norden kamen. Um zu dieser Perspektive zu gelangen, musste man allerdings in Wien wohnen.

Der Wolgaster Frühromantiker Philipp Otto Runge war nicht allein Maler. Ihm verdanken wir die beiden in Pommerschen Platt aufgeschrieben Märchen „Vom Fischer un sine Fru“ und „Van den Machandel-Boom“ (= Von dem Wacholderbaum), die Eingang in die Grimmschen Kinder- und Hausmärchen gefunden haben. Damit inspirierte Runge den Freiherrn Joseph von Eichendorff um 1808 zu einer „Sammlung oberschlesischer Sagen und Märchen, meist dem Mund des Volkes abgelauscht“, was sowohl Deutsch als auch Polnisch meinte. In einer fragmentarischen Geschichte taucht ein slawischer Märchen-Hans auf, der als Vorbild für Eichendorffs berühmten „Taugenichts“ gedient haben dürfte.

Zu den nordischen Vertretern der Romantik zählen außerdem der nationalistische Polterpoet Ernst Moritz Arndt (1769-1860) sowie – wenn man Brandenburg an der Havel und Frankfurt an der Oder als deutschen Norden ansieht – Friedrich de la Motte Fouqué (1777-1843) und Heinrich von Kleist (1777-1811).

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