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„Pommern ist kein Zentrum des Dadaismus, Pommern ist Dada.“
(Michael Gratz)

Dadaismus in Wolgast

Wolgast: Irgendwie auch Dada

Der Dadaismus entstand als künstlerische Antwort auf die grausamen Schrecken des Ersten Weltkrieges. Die neue Kunstrichtung lehnte das bürgerliche Wertesystem – ja, das ganze überkommene Bezugssystem – völlig ab. Man stellte sich stattdessen auf einen wackeligen Stuhl und deklamierte Lautgedichte oder collagierte, was das Zeug hielt, oder provozierte drauflos und beschimpfte das Publikum. Diese Anti-Kunst taufte man ›Dada‹, die spießbürgerliche Gesellschaft schüttelte wohl eher den Kopf und nannte es ›Gaga‹.

Baronin Elsa von Freytag-Loringhoven

Bei ›Dada‹ denkt man zuerst an Zürich und Berlin, als zweites auch an Hannover, Paris und New York – aber an Pommern denkt man da zuletzt. Wer kennt heute noch Elsa Hildegard Plötz, die ›Dada-Baroness‹ Elsa von Freytag-Loringhoven? Geboren wurde die Künstlerin und Muse 1874 in Swinemünde. Ich weiß auch nicht viel über Elsa Plötz, außer dem, was die Wikipedia hergibt. Bezeichnenderweise steht in der englischsprachigen Wikipedia mehr über sie, als in der deutschsprachigen Version, denn in den USA erregte die ausgeflippte Person einige Aufmerksamkeit. Marcel Duchamp, bei dem sie Model stand, soll einmal gesagt haben: »Die Baroness ist keine Futuristin. Sie ist die Zukunft.« Im Dezember 1927 starb die Zukunft in Paris.

George Grosz

Ein weiterer Dadaist mit Bezug zu Pommern ist George Grosz, der in Stolp aufwuchs, wo der Knirps den Vater verlor. Stattdessen wurde Grosz von seinem Kunstlehrer an der Oberschule gefördert. Doch nicht alles an dieser Schule war gut. »In seiner Autobiografie ›Ein kleines Ja und ein großes Nein‹ schildert er weiterhin die von ihm als schikanös und gewalttätig empfundenen Zustände an der Schule. Nachdem er sich bei einem Referendar mit einer Ohrfeige revanchiert hatte, musste er die Schule verlassen.« Das schreibt zumindest die Wikipedia, auf die ich hier zur weiteren Lektüre verweisen möchte.

Aber auch heute noch ist Pommern (vor ollem Vorpammern) völlig Dada. Der Ober-Dada Raoul Hausmann äußerte 1922 folgenden sympathisch-anarchistischen Gedanken:

Der Dadaismus fordert die Einführung der progressiven Arbeitslosigkeit durch umfassende Mechanisierung jeder Tätigkeit. Nur durch die Arbeitslosigkeit gewinnt der Einzelne die Möglichkeit, über die Wahrheit des Lebens sich zu vergewissern und endlich an das Erleben sich zu gewöhnen.«

Man kann sagen, in Sachen Arbeitslosigkeit ist Mecklenburg-Vorpommern das fortschrittlichste Bundesland der Bundesrepublik. Die Menschen hier haben mehr Zeit als andere und sie erleben so einiges, wovon sie aber nur Menschen, die gut zuhören können, erzählen werden. Huuurz!

~
via Pomlit.de

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