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Posts Tagged ‘Wilhelm Busch’

Test the West - Ostdeutsche Karikaturisten

Alle an einem Tisch: Gruppenfoto mit ohne Künstler


Seit Sonntag dürfen in Hannover Westdeutsche über Ostdeutsche lachen, ganz ohne moralische Bedenken. Genau an Goethes 262. Geburtstag wurde im Wilhelm-Busch-Museum unter großem Andrang die Ausstellung „TEST THE WEST – Karikaturen aus Ostdeutschland“ eröffnet. Gezeigt werden Karikaturen, Collagen und Kurzcomics von neun ostdeutschen Zeichnern und einer Zeichnerin.

Der bekannteste unter den vertretenen Künstlern ist vielleicht OL, der mit seinen Serien Jürgen der Trinker, Die Mütter vom Kollwitzplatz und CosmoProlet regelmäßig in Tageszeitungen und Zeitschriften zu finden ist. Aber auch die zeichnerischen Handschriften von Andreas Prüstel, Rainer Ehrt, Andreas J. Mueller, Rainer Schade, Ulrich Forchner, Peter Thulke, Ottfried Zielke und NEL alias Ioan Cozacu sind bekannt, vorzugsweise aus dem endgültigen ostdeutschen Satiremagazin Eulenspiegel. Cleo-Petra Kurze ist die einzige Frau in dieser Herrenrunde und eine der ganz wenigen in einer von Männern dominierten Karikaturistenszene. Warum eigentlich?

Wer sich die Reise nach Hannover aus terminlichen oder finanziellen Gründen nicht leisten kann, dem sei der dazugehörige, extrem preisgünstige Ausstellungskatalog empfohlen. Alle zehn Karikaturisten sind auf den über 100 Seiten mit bunten Bildbeispielen aus den letzten drei Dekaden vertreten. Politisches, Erotisches, Kommerzkritik, Nonsens und Trinkerhumor – das alles und noch viel mehr steckt drin. Dazu gibt es eine Künstlerbiografie mit karikativem Selbstporträt.

Es folgen zwei Beispiele aus dem zwischenmenschlichen Bereich, die auch ohne Abbildung funktionieren. Bei NEL fragt sie: „Liebst du mich noch?“ Grummelt er: „Wer will das wissen?“ Bei Peter Thulke ruft er durch die Tür tretend: „Schatz! Ich liebe dich!“ Darauf sie: „Hast du wieder getrunken?“ Die Ausstellung kann bis zum 27. November im Deutschen Karikaturmuseum Hannover besucht werden. Bei Interesse kann man ein Radiofeature von Deutschlandradio Kultur zur Ausstellung nachhören.

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Lyonel Feiniger - Kin-der-Kids (1906)

Lyonel Feininger: The Kin-der-Kids (Nur zu Informationszwecken - Quelle: Wikipedia)


Am Sonntag wird in der Stadt der Malerei ein von Lyonel Feininger gemaltes Ölbild zur Versteigerung angeboten. Das Gemälde mit dem Titel Hafen von Swinemünde kommt im Pariser Auktionshaus Artcurial unter den Hammer. Es wird auf einen Wert von 1,5 bis zwei Millionen Euro geschätzt. Der New Yorker Künstler soll es im Jahre 1915 in Berlin gemalt haben, wo es auch zum ersten Mal 1928 ausgestellt wurde.

Lyonel Feininger kennt auf der Insel Usedom jeder. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts weilte der Maler mehrere Male auf der Ostseeinsel und verlebte dort sehr kreative Urlaube. Mit dem Rad fuhr der Amerikaner über die Insel, hielt zwischendrin an und dabei viele örtliche Motive auf seinen Bildern und Skizzen fest.

Dass der erste berufene Bauhaus-Meister zuvor auch Comics gezeichnet hat, wissen hingegen nur wenige. Für die US-amerikanische Zeitung Chicago Sunday Tribune erfand er 1906 zwei Serien: The Kin-der-Kids und Wee Willie Winkie’s World. Die beiden Comicreihen waren eine Reaktion auf die äußerst erfolgreichen Comicserien anderer Zeitungen, wie The Yellow Kid, Little Nemo in Slumberland oder The Katzenjammer Kids, zwei von dem deutschstämmigen Rudolph Dirks erfundene Charaktere, die nicht rein zufällig an Max und Moritz von Wilhelm Busch erinnerten. Allerdings hielt der Vertrag mit dem Tribune nur ein halbes Jahr. Vielleicht lagen die Stärken bei Lyonel Feininger eher woanders, vielleicht war aber auch die Zeit noch nicht reif für seine Erzähltechnik. Leider schuf Feininger keine Comics upp Platt.

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Info: Feiningers Swinemünde kommt in Paris unter den Hammer (OZ 26.5.2011)

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Programmhinweis: Der Bühnen- und Fernsehschauspieler Michael Altmann liest die Comic-Strips The Kin-der-Kids und Wee Willie Winkie von Lyonel Feininger – und zwar laut vor. Am 31. Juli 2010 um 20 Uhr an der alten Holländerwindmühle / Kulturmühle in Benz auf Usedom. Unterstützt wird er durch Klangcollagene und Visualisierungen von Andreas Meenke aus Neubrandenburg. „Michael Altmann wagt das Experiment einer Comic-Lesung aus einem ganz besonderem Anlass: vor fast genau 100 Jahren war Lyonel Feininger auf dem Berg im Süden von Benz und schuf hier die einzige bildliche Darstellung der alten Holländerwindmühle aus den Zeiten des Windbetriebs.“ (papileo.de)

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Quelle: Wikimedia - Wikipedia - Wikisource


Mit diesem Blog habe ich sozusagen eine Patenschaft für die plattdeutsche Sprache übernommen, denn Plattdeutsch gehört zu Vorpommern wie der Plattfisch in die Ostsee. Plattdüütsch wird zwar vielerorts geredet, aber kaum geschrieben. Ein Klassiker der plattdeutschen Literatur ist sicherlich das Märchen Von den Fischer un syne Fru, das übrigens nicht von den Gebrüdern Grimm, sondern von dem Wolgaster Philipp Otto Runge in der heimischen Mundart aufgeschrieben wurde. Es kann nicht oft genug betont werden – Freestland ist Rungeland.

Nun habe ich einen weiteren Klassiker opp Platt (wieder)entdeckt: Krischan mit der Piepe. Wer hätte gedacht, dass Wilhelm Busch, der Meister der lustigen Bildergeschichte, bereits 1864 platte Verse über ein Kiffercomic reimte? Die illustrierte „Rauchphantasie“ liest sich wie eine drogeninduzierte Abwandlung von Goethes Zauberlehrling:

Der Vater verlässt in Frack und Zylinder das Haus, nicht ohne seinem Sohn die Warnung vor der Tabakspfeife mitzugeben: „Krischan! lat de Piepen stahn!“ Doch Verbote lenken die Aufmerksamkeit bekanntlich auf das Verbotene und Krischan zündet sich ein Pfeifchen an. Doch rums, da geht die Pfeife los mit Getöse, schrecklich groß! Die Gegenstände beginnen ein Eigenleben, der Gehstock tanzt mit dem Regenschirm, der Ofen mit der Kohlenzange, der Tisch mit dem Sofa. Schließlich kommen auch noch die Dämonen frei und materialisieren sich aus dem Pfeifennebel zu beliebten Kinderschreckfiguren – zuerst der alte Runkelmunkel, dann der schwarze Mann. Krischan wird schwummerig und schwindelig, er fällt zu Boden. Erst die hinzutretende Mutter kann die Geister mit einer Kanne starken Kaffees verjagen. Am Ende wiederholt der Vater schmunzelnd und pfeifeschmauchend seine Warnung vom Anfang: „Krischan, lat de Piepe stahn!“

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